Am 19. März haben wir gemeinsam mit Charlotte Lüder von DER SPIEGEL einen Workshop beim Media Lab Bayern Innovation Festival in München veranstaltet. Editor:innen, Entscheider:innen, TV-Profis und Lokaljournalist:innen kamen zusammen, um eine zentrale Frage zu diskutieren:
Wie kann Live-Berichterstattung echte Interaktion fördern und stärkere Communities aufbauen?
Das Ergebnis: ein offener, praxisnaher Austausch mit Einblicken aus der Arbeit vom SPIEGEL, Perspektiven aus verschiedenen Newsrooms und unseren eigenen Erfahrungen aus zahlreichen Liveblog-Projekten.
Daraus haben wir die wichtigsten Learnings zusammengefasst, die euch helfen, eure Liveblog-Strategie gezielt weiterzuentwickeln.
Charlotte von DER SPIEGEL gibt Einblicke in die Liveblog-Strategie der Redaktion
Beim SPIEGEL sind Liveblogs kein „Nice-to-have“, das man nur bei Gelegenheit ergänzt. Liveblogs sind ein zentraler Bestandteil der redaktionellen Strategie.
Erst kürzlich wurde auf der Konferenz „Future of German Media“ in Hannover deutlich:
18 der 20 meistgelesenen Artikel unter Abonnent:innen im letzten Jahr waren Liveblogs.
👉 Was du daraus mitnehmen kannst:
Behandle Liveblogs nicht als „Zusatzberichterstattung“. Wähle gezielt Themen, bei denen Live-Updates echten Mehrwert schaffen – Inhalte, die dein Publikum in Echtzeit verfolgen, aktiv nutzen und immer wieder zurückkehren lässt. Plane diese Formate mit derselben Sorgfalt wie große Reportagen oder Investigativstücke.
Eine der größten Herausforderungen einer Live-Berichterstattung: den Fokus behalten. Ohne klare Struktur werden Liveblogs schnell unübersichtlich oder inkonsistent.
Erfolgreiche Teams klären zentrale Fragen im Voraus:
👉 Was du konkret tun kannst:
Setze früh klare Guidelines. So stellst du sicher, dass dein Team konsistent und effizient arbeitet – besonders in dynamischen Situationen, in denen schnelle Entscheidungen gefragt sind.
Beim SPIEGEL arbeiten meist größere Teams an einem Liveblog, mit Redakteur:innen, Fact-Checkern, Reporter:innen vor Ort und einer zentralen „Regie“.
Die Realität in vielen Redaktionen sieht anders aus und das ist völlig okay.
👉 Was du daraus mitnehmen kannst:
In der Praxis hat sich gezeigt: Mindestens zwei Personen sind sinnvoll, vor allem bei längeren oder komplexen Themen.
Ein Diskussionspunkt im Workshop war, ob Kommentare Teil von Liveblogs sein sollten.
DER SPIEGEL nutzt Emoji-Reaktionen und kuratierte Leserfragen, um das Publikum einzubinden, verzichtet aber bewusst auf klassische Kommentarspalten. Der Grund ist einfach: Unmoderierte Kommentare können schnell chaotisch oder toxisch werden – und eine gute Moderation erfordert entsprechende Ressourcen.
Auch wenn dieser Ansatz nachvollziehbar ist, sehen wir gleichzeitig klar den Wert von Kommentaren. Wenn Leser:innen die Möglichkeit haben, ihre Perspektiven zu teilen, fühlen sie sich gehört und eingebunden. Das stärkt die Verbindung zur Berichterstattung. Richtig umgesetzt, kann dieses Gefühl von Beteiligung die Bindung erhöhen und dafür sorgen, dass Nutzer:innen wiederkommen.
Ein möglicher Ansatz ist eine einfache, strukturierte Moderation. In unserem Liveblog-Editor kannst du zum Beispiel Kommentar-Blöcke mit einem Klick ergänzen, Kommentare werden jedoch erst nach Freigabe der Redaktion sichtbar. So können Redaktionen eine sichere und konstruktive Umgebung schaffen, ohne auf Interaktion verzichten zu müssen.
Klare Moderationsrichtlinien spielen dabei eine wichtige Rolle, um Diskussionen zu steuern und Vertrauen aufzubauen. Wenn du diese transparent kommunizierst, schaffst du klare Erwartungen im Umgang mit Kommentaren. Gleichzeitig sind Community Guidelines genauso entscheidend: Sie legen fest, wie sich Nutzer:innen beteiligen sollen und prägen damit den Ton der Diskussion, noch bevor Moderation überhaupt eingreifen muss. Der MDR nutzt beispielsweise aktiv Kommentarfunktionen und stellt gleichzeitig sicher, dass Diskussionen respektvoll und konstruktiv bleiben.
Lisa aus dem Tickaroo-Team schaut sich einen Oscars 2026 Liveblog genauer an
Der Workshop entwickelte sich schnell zu einem positiven Raum voller offener Gespräche, Diskussionen, Bedenken aber auch neuer Ideen, den alle Teilnehmenden sichtlich genossen haben.
Die praktische Übung, in der die Teilnehmenden eigene Liveblogs erstellten, bot viel Raum zum Ausprobieren und Weiterdenken. Einige gingen dabei bewusst kreativ vor: Ein Wetter-Liveblog wurde etwa zu einem spielerischen Guide inklusive Tipps, was man bei starkem Schneefall machen kann (zum Beispiel einen Schneehügel bauen, der als Rutsche dient). Andere haben Events wie die Oscars neu interpretiert, als sportlichen Wettbewerb mit Scoreboards und Rankings.
Für viele war es erfrischend, den gewohnten Redaktionsalltag zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren. Es fühlte sich weniger wie eine klassische Aufgabe an und mehr wie ein Experimentierraum – ein Ort, an dem Ideen frei getestet werden konnten, ohne die üblichen Einschränkungen des Tagesgeschäfts.
Wie unsere CEO und eine der Moderatorinnen, Naomi Owusu, es formuliert hat:
„Unser Ziel war es, Menschen in ihrem hektischen Redaktionsalltag bewusst Raum zu geben – in einem anderen Setting – um Liveblogging neu zu denken.“
Und aus unserer Sicht: Das ist definitiv gelungen!
Der Workshop hat deutlich gemacht: Liveblogging ist mehr als nur ein Format – es ist eine Art, Berichterstattung zu denken.
Wenn Liveblogs bewusst geplant, klar strukturiert und dort eingesetzt werden, wo sie echten Mehrwert bieten, können sie weit mehr als nur Ereignisse abbilden. Sie bringen die Audience näher ans Geschehen, schaffen Interaktion und machen Berichterstattung zu einem gemeinsamen Erlebnis.
Und manchmal braucht es gar nicht viel, um diesen Blickwinkel zu verändern:
Ein Schritt raus aus dem Alltag und der Raum, Dinge einfach mal auszuprobieren.
Füll einfach das Kontaktformular aus – wir zeigen dir unser Tool, seine Funktionen und wie du damit deine Live-Berichterstattung gezielt stärken kannst.
Du willst direkt loslegen?
Dann starte jetzt mit einer 14-tägigen kostenlosen Testphase und leg sofort mit dem Liveblogging los.